Workshop BLAUES RAUSCHEN // Wasser in der Stadt

 

„Blaues Rauschen“ findet als Festival für experimentelle elektronische Musik, Performance und Installation vom 10.-14. Oktober 2018 in Gelsenkirchen, Essen, Herne, Dortmund und Bochum statt und versteht sich als ein verbindendes Element in der polyzentralen Stadtregion des Ruhrgebiets. Im Rahmen des Festivals findet ein mehrtägiger Workshop für Jugendliche statt, der einen Zusammenhang zwischen Alltagswahrnehmung und künstlerischer Verarbeitung herstellen soll.

 

Es rauscht, es sprudelt, es plätschert. Die Suche nach dem Klang von „Wasser in der Stadt“ will die komplexe Rolle dieses Elements in der Zone zwischen Emscher und Ruhr sowohl historisch als auch zukunftsweisend beleuchten.
Benannt nach dem Fluss im Süden, der Ruhr, ist das „Gebiet“ mindestens ebenso stark geprägt von der Wasserader im nördlichen Revier, der Emscher, die mit ihren über 80 zufließenden Bächen und Kanälen das wasserwirtschaftliche Rückgrat der Region darstellt. Der bisherige Abwasserkanal wird seit 1998 in einem Umbau von europäisch einzigartiger Dimension in einen naturähnlichen Fluss transformiert und gewinnt so eine ökologische Bedeutung, die einen nicht unbeträchtlichen Teil des Strukturwandels des Ruhrgebiets anschaulich macht.

Die Menschen vor Ort begegnen diesen Flüssen, Kanälen und Bächen vor ihren Türen fast täglich. Und natürlich spielt Wasser im Alltag eine permanent präsente Rolle. Doch die Multifunktionalität dieses Elements zwischen Versorgung und Entsorgung gerät bedingt durch seinen scheinbaren „Überfluss“ nur selten in den Fokus der Öffentlichkeit. Dabei steht Wasser bei zahlreichen Fragestellungen im Mittelpunkt:
- Was geschieht nach dem Ende der Zechen mit dem giftigen Grubenwasser?
- Eine renaturierte Emscher - wo bleibt das Abwasser?
- Trinkwasser: aus der Leitung oder aus der Flasche?
- Zunehmende Starkregenereignisse und andere Folgen des Klimawandels stellen das Revier vor neue Herausforderungen.

Angesichts dieser Themenvielfalt soll mit diesem Klangkunst-Workshop unter Leitung von Tina Tonagel die kritisch-kreative Auseinandersetzung und Verbundenheit der Teilnehmer*innen mit ihrem Lebensumfeld und speziell mit Wasser angeregt und gefördert werden. Die Medienkünstlerin und Musikerin Tina Tonagel wird gemeinsam mit Jugendlichen alltägliche und besondere Klangsituationen rund um das Wasser aufspüren, erforschen und aufnehmen.

Bestückt mit konventionellen Smartphones als Aufnahmegerät suchen die Teilnehmer*innen akustische Spuren des Elements „Wasser“ und nehmen sie auf. Beim Aufnahmeprozess gemachte Fotos ergänzen die Klangforschung visuell. Darüberhinaus steht es ihnen frei, Klangmaterial aus dem Archiv von www.emscherplayer,de zu nutzen. Die Ergebnisse dieses sogenannten „Fieldrecording“ dienen als Basis für kurze Klangcollagen oder Kompositionen und eine Reihe multimedialer Installationen, die von den Jugendlichen entwickelt werden und im Rahmen des Festivals vor Publikum uraufgeführt werden.

Die Methode: Das bei Musik- und Medienschaffenden zunehmend populäre Field-Recording (Tonaufnahmen ausserhalb von Studiosituationen) beinhaltet die bewußte Suche nach signifikanten Klängen und die Schaffung einer inneren Beziehung zwischen Sender, Signal und Aufnahme. Es entstehen Geräuschaufnahmen, Gesprächsausschnitte, Samples und Loops. Die daraus anschließend entstehende thematisch ausgerichtete Komposition und ihre visuelle Umsetzung in einem installativen Kontext ermöglicht dem Publikum neue Hörerfahrungen und einen künstlerisch-reflektiven Zugang zu einem alltäglichen Thema.

Die Technik 1: Mit ihren Smartphones als selbstverständliche Lebensbegleiter tragen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – oft unbewußt - ein hochgradig entwickeltes Aufnahmegerät mit sich, das nun für Interviews, Geräuschaufnahmen, Klangcollagen und auch als klangformendes Instrument genutzt wird.

Die Technik 2: Mit Hilfe der Physical-Computing-Plattform Arduino versetzt die Musikerin und Medienkünstlerin Tina Tonagel die Teilnehmer*innen in die Lage, analoge Sensoren und Schalter zu entwickeln und damit Motoren, Licht und Klang anzusteuern. Mit einfachen Mitteln und ohne große Programmierkenntnisse können so kinetische, interaktive Kunstwerke entwickelt werden.
Auch die aufgenommenen Klang-Samples können gezielt angesteuert werden, zum Beispiel über Näherungs-Sensoren oder eingebaute Schalter oder aber auch als Endlosschleife.

Die Jugendlichen entwickeln je nach Interesse eigene Werke - es ist ihrer Kreativität und Phantasie überlassen, ob dabei holperige motorbetriebene Krachmaschinen mit ohrenbetäubenden Wasserfallsounds entstehen oder elegante Fotocollagen, die von dezentem Plätschern begleitet werden.

 

Teilnahme
Alter: 14 bis 16 Jahre
Anzahl Teilnehmer*innen: maximal 8
Teilnehmende Schulen: GS Gelsenkirchen-Ückendorf, GS Herne-Wanne-Eickel
Zeitraum: 22./23. September und 6./7. Oktober
Aufführung/ Präsentation: 12. Oktober, Flottmannhallen

 

Die Künstlerin Tina Tonagel entwickelt experimentelle Arbeiten mit unterschiedlichen technischen Mitteln. Von zunächst rein visuellen Installationen, bei denen kinetische Aufbauten auf Projektoren Bilder in Echtzeit erzeugen bis zu raumbezogenen Installationen mit selbstgebauten Klangerzeugern. Diese Instrumente werden live gespielt und in Echtzeit visualisiert. So entsteht eine experimentelle Musik, die mit den projizierten, sich bewegenden Bildern korrespondiert.