Jan Jelinek

 

Jan Jelinek ist ein deutscher Produzent elektronischer Musik. Seit 2008 betreibt er auch das Plattenlabel Faitiche.

Nach dem Studium der Philosophie und Soziologie wandte er sich seit seinem Umzug nach Berlin 1995 verstärkt der elektronischen Musik zu. Seine Musik basiert zu großen Teilen auf Samples, deren Quellen jedoch durch digitale Klangbearbeitung nicht immer ohne weiteres erkennbar sind. Gleichwohl verweist er in einigen Fällen mit den Titeln seiner CDs auf seine Quellen und auch Einflüsse. Das trifft auf „Loop-Finding-Jazz-Records“ und „Kosmischer Pitch“ zu.

Jelinek veröffentlicht auch unter den Pseudonymen Farben (seit 1998) und Gramm. Als Farben orientiert er sich, auf Soul-Samples aufbauend, stärker am Dub und an elektronischer Tanzmusik. Auf diese Weise kann die Musik am ehesten als experimenteller Dub bezeichnet werden. Als Gramm versucht er, einen Kompromiss zwischen „hörbarer“ Minimal-Elektronik und „tanzbarer“ Musik zu finden. Im Musikmagazin Intro wurde dies als „additive Sekundenmusik“ bezeichnet.[1] Im Jahr 2000 beschallten seine Audiocollagen den Young Media Pavillon auf der EXPO 2000 in Hannover. In den folgenden Jahren arbeitete er mit Künstlern wie Sarah Morris, Christopher Bauder, Dennis Busch und dem Autor Thomas Meinecke, kollaborierte mit dem japanischen Improvisationsensemble Computer Soup, dem australischen Jazztrio Triosk, dem Vibraphonisten Masayoshi Fujita sowie dem Choreographen Sylvain Émard, schrieb und produzierte diverse Radiostücke für den SWR2 Ars Acustica und führte mit dem Videokünstler Karl Kliem audiovisuelle Konzerte auf, die unter anderem im Centre Pompidou Paris zu sehen waren. 2007 gründete er mit Hanno Leichtmann und Andrew Pekler das freie Improvisationstrio Groupshow.

Jelineks Schaffen lässt sich – zumal wenn man seine Arbeiten unter den Pseudonymen einschließt – kaum begrifflich fassen. Am ehesten kann sie vielleicht als Mischung aus Clicks & Cuts, Electronica, Intelligent Dance Music, Glitch und Microsound charakterisiert werden.

Im Sommer 2013 wandte er sich dem Remix zu und bearbeitete Stücke von James DIN A4, die 2014 als Farben presents James DIN A4 erschienen. „Remixe sind nicht leicht. Sie sollten im Geiste des Originalstücks sein, trotzdem möchte man eine eigene Handschrift hinzufügen. Ein idealer Remix verbindet beides.“[2] Die taz bezeichnete das Album als „Gipfeltreffen zweier seltsamer Käuze“ und kam zum Ergebnis: „Jan Jelinek liefert mit dem gelungenen Album etwas, was in der Widersprüchlichkeit der Remix-Kunst liegt: ein eigenständiges Zitatwerk.“

Auch seine Live-Performances mit einem Laptop wurden zum Teil veröffentlicht (z. B. improvisations and edits, 2002).

Foto © Takehito Goto
 
Samstag | 13. OKTober 18 | 21.15 Uhr

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